Beim heutigen Stand der Technik können auch Patienten mit extrem wenig Knochen im Kieferbereich Implantate eingesetzt werden. Dazu ist es jedoch nötig, in einem ersten Eingriff den vorhandenen Knochen zu vermehren. Fehlender Knochen wird durch synthetisches, biologisch abbaubares Material, eigenen Knochen oder gezüchteten Knochen aus Eigenmaterial (Biotissue) ersetzt. Dazu müssen zusätzliche 3 bis 6 Monate Einheilzeit abgewartet werden. Auch neuartige OP-Verfahren kommen zur Anwendung: bei der Membrantechnik wird der Knochendefekt mit einer speziellen Membran bedeckt. In der Heilphase entsteht unter der schützenden Membran gesunder Knochen. Mittels blutplättchenreichem Plasma aus Eigenblut - PRP - (körpereigene, knochenwachstumsfördernde Blutbestandteile) kann die knöcherne Einheilung verbessert werden. Da es während der Implantation beim Patienten selber gewonnen wird, ist es nicht toxisch, nicht allergen und immunologisch unbedenklich. Es enthält zudem eine sehr große Anzahl an Wachstumsfaktoren, wodurch die Wundheilung und die Regeneration des Knochens beschleunigt wird. Schließlich kann auch eigener Knochen ohne großen Aufwand aus bestimmten Kieferregionen gewonnen und genutzt werden. Die Entnahmestelle verheilt ohne Komplikationen und bringt dem Patienten später keine Einschränkungen. Der sichere Umgang und die Erfahrung des Chirurgen mit Technik und Material sind natürlich auch hier entscheidend für den Behandlungserfolg. Eine zusätzliche Möglichkeit Knochen und Weichgewebe zu vermehren ist die sog. Distraktion. Hierbei wird der Knochen an einer anatomisch günstigen Stelle durchtrennt und eine kleine Apparatur (Distraktor) eingebracht und befestigt. Nach 7 Tagen kann die Aktivierung der Apparatur begonnen werden. Die Knochenenden werden in sehr kleinen Schtritten (0,25 ?0,5 mm) voneinander entfernt und so zu Knochenbioldung angeregt. Gleichzeitig bildet sich auch das Zahnfleisch, das für die Verbindung zwischen Implantat und der Mundhöhle eine wichtige Funktion als Bakterienbarriere erfüllt.
Was müssen Patienten beachten?
Perfekte Mundhygiene ist die wichtigste Voraussetzung für eine auch langfristig erfolgreiche Implantation. Besonders der Übergang zwischen Implantat und Zahnfleisch muss frei von bakteriellen Belägen bleiben. Dazu sind oft spezielle Reinigungstechniken nötig (Zahnseide, Zahnzwischenraumbürstchen). Ohne diese Vorkehrungen ist der Misserfolg des aufwendigen und teuren Implantatverfahrens leider vorprogrammiert. Regelmäßige Kontroll- und Reinigungssitzungen beim Zahnarzt verringern das Risiko weiter. Nicht zu empfehlen ist eine Implantation bei bestimmten Erkrankungen. Dazu gehören u.a. Blutkrankheiten, schlecht eingestellte Zuckerkrankheit, schwere Leber- und Nierenleiden, chronische Störung und Schwächung des Immunsystems sowie ein schlechter Allgemeinzustand. Auch bei der Einnahme bestimmter Medikamente ist das Risiko des Implantatverlustes deutlich höher. Nur gründliche Beratungen und Untersuchungen des Arztes und Zahnarztes können im Einzelfall nähere Aufschlüsse geben. Geduld und Zeit sind weitere Eigenschaften, die Implantologie-Patienten für die aufwendige Behandlung mitbringen sollten.